Sportförderung
Von Mädchen in Sporthosen und der RAFIKI Championship
2004 haben wir ein Lehrerworkshop mit den Lehrkräften von KIUMO durchgeführt. Vormittags. Nachmittags hatten wir den Auszubildenden angeboten, mit ihnen Sport zu machen. Um die Gruppen einzuteilen, fragten wir, wer Volleyball spielen möchte: Alle Mädchen meldeten sich. Und wer wollte Fußball spielen: Alle Jungs natürlich. Einige Vereinzelte interessierten sich für Badminton.
Dann haben wir die Mädchen gefragt, ob och von ihnen welche Lust hätten, Fußball zu spielen: Große Augen, fragende Blicke – und schweigen. Na ja, wer Lust hat, kann ja zum Fußballplatz kommen, sollten sich ein paar Mädchen einfinden, würden wir im Wechsel einen Tag mit den Jungs und einen Tag mit den Mädchen spielen.
Und siehe da: Zur verabredeten Zeit fanden sich ein paar interessierte Mädchen ein. Also haben wir mit ihnen Fußball gespielt. Ganz normales Training mit abschließendem Spielchen. Das hat schon zu Gejohle bei den auf ihren Auftritt lauernden Jungs geführt. Und zu dummen Sprüchen, denn Mädchen hätten auf dem Sportplatz nichts verloren. Nicht einmal, wenn sie über ihren Hosen noch einen Rock trugen. Barfuß oder mit Flip-Flops spielten die meisten ohnehin, denn feste Schuhe, geschweige denn Sportschuhe, hatte kaum ein Mädchen.
Am Ende unseres zweiwöchigen Workshops haben dann zwei Jungs-Mannschaften und auch zwei Mädchen-Mannschaften gegeneinander gespielt – jeweils das erste gegen das zweite Lehrjahr. Das Spiel der Mädchen wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis: Hunderte säumten das Spielfeld, wollten sich dies nicht entgehen lassen.
Im Grunde war dies der Startschuss zur RAFIKI Sportförderung. Bei einem weiteren Besuch brachten wir Trikots, Hosen und Stutzen für die immer noch begeistert spielenden Mädchen mit. KIUMO Sportlehrer James Mmbando spielt seitdem mit den Auszubildenden – Jungs wie Mädchen regelmäßig Fußball und gelegentlich kommt es zu einem Spiel gegen eine benachbarte Schule.
Nun wollten wir also die Mädchen in den neuen Trikots spielen sehen. Anschließend wollten die Jungs spielen, danach noch zwei Herren-Teams.
Dazu muss man sagen, dass es täglich gegen 19 Uhr dunkel wird. Richtig dunkel und richtig pünktlich jeden Tag. Also war ein straffer Zeitplan erforderlich, was schon in einem erheblichen Widerspruch zur Zeiteinteilung in Tansania steht. Auf jeden Fall begründet dies, warum alle um den Platz herum Stehenden zunehmend ungeduldig wurden, als die Mädchen nicht aus ihren Umkleideräumen – Klassenräumen einer benachbarten Schule – kamen. Wir fragten nach. Die Ursache: Sie trauten sich nicht in kurzen Hosen in die Öffentlichkeit. Ein wenig gute Zusprache und sie liefen auf. Das Gejohle auf dem Sportplatz war enorm. Aber es fand das erste Spiel von Mädchen in Sportkleidung statt.
Seitdem bringen wir immer mal wieder Equipment mit, spielen Mädchen mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Jungs Fußball.
Um die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken und das Selbstbewusstsein der Mädchen in der Region zu verbessern, werden wir auch weiterhin den Frauenfußball unterstützen.
Im Herren-Fußball begegnete uns ein völlig anderes Phänomen: Die Jungs sprühen nur so vor Leidenschaft, wenn sie einen Ball vor die Füße bekommen. Jedes Dorf hat eine Fußballmannschaft, mindestens eine Vielzahl Fußball Begeisterter. Aber so etwas wie eine organisierte Kreisklasse gibt es nicht. Sobald auf einem Sportplatz etwas los war, sobald ein Impuls von außen kam, fanden Spiele statt. Danach schlief alles wieder ein. Zusammen mit unserem Freund Loveland Makundi wollten wir versuchen, eine solche Fußball-Kreisklasse entstehen zu lassen. Loveland Makundi hat schon das eine oder andere Mal ein Turnier ausgerichtet und der Siegermannschaft ein kleines Preisgeld gezahlt. Nun stiftete er einen Pokal für den Torschützenkönig und Oliver Zantow stiftete einen Wanderpokal für die RAFIKI Championship. Über Ansätze kam dies Turnier aber nicht hinaus. Wir fanden heraus, dass die Mannschaften ein Startgeld hätten entrichten sollen, um einen Schiedsrichter zu bezahlen. Das konnten sie nicht. Das war auch nie unsere Absicht. Seitdem unterstützen wir nun die Fußballfreunde am Kilimandscharo, indem wir die Kosten für die Ausrichtung der Spiele übernehmen.
Die Organisation liegt mittlerweile in den Händen des Trainers von Kirimeni, Wilbert Nyela.
Fortlaufend werden wir an dieser Stelle von den Ergebnissen der RAFIKI Championship berichten. Und wir würden uns sehr freuen, wenn uns jemand Fußballschuhe spenden könnte, die wir bei nächster Gelegenheit mitnehmen nach Tansania.